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Industry insights

Warum Engagement Rate keine verlässliche Erfolgskennzahl mehr ist

August 20, 2026
-
6 min read
Karsten Schonauer
Creative Director

Eine Kampagne kann starke Zahlen liefern und trotzdem die Marke im Stich lassen, für die sie gemacht wurde. Nicht weil der Creator schlecht geliefert hat. Nicht wegen Betrug. Einfach weil alle auf die falsche Zahl geschaut haben.

Die Engagement Rate wurde zum Standard-Scoreboard im Creator Marketing, weil sie leicht zugänglich, leicht vergleichbar und fast sofort verfügbar ist. Aber mit wachsenden Budgets und Erwartungen im Creator Marketing lassen sich die Grenzen dieser Kennzahl immer schwerer ignorieren. Eine hohe Engagement Rate zeigt dir, dass Menschen mit dem Content interagiert haben. Sie sagt dir aber nicht, ob die Markenbotschaft richtig rübergekommen ist, ob die vereinbarten Deliverables erfüllt wurden oder ob die Kampagne einen echten Brand Impact erzielt hat.

Und genau das sind die Fragen, die zunehmend zählen.

Zwei Video-Engagement-Cards nebeneinander: der Post mit dem höheren Engagement (1 Mio. Views, 40K Likes, 5,5K Kommentare) mit rotem „Nicht abgeschlossen“-Balken und nur bestätigtem CTA-Check; der Post mit dem niedrigeren Engagement (200K Views, 8K Likes, 800 Kommentare) mit grünem „Abgeschlossen“-Balken und allen drei bestätigten Checks (CTA, Deliverable, mündliche Erwähnung) - zeigt, dass Engagement-Volumen und verifizierte Lieferung unabhängig voneinander sind.
Hohes Engagement, unverifizierte Lieferung vs. niedrigeres Engagement, vollständig verifizierte Lieferung.

Was die Engagement Rate dir wirklich sagt

Die Engagement Rate misst die Interaktion des Publikums: Likes, Kommentare, Shares und andere Plattform-Aktionen. Diese Information hat weiterhin einen Wert. Sie sagt Marketer:innen etwas darüber, wie das Publikum auf ein Stück Content reagiert hat.

Aber Engagement wurde nie dafür entwickelt, die größeren Fragen zu beantworten, die Marken zunehmend vom Kampagnen-Reporting erwarten.

  • Hat sich der Creator an das Briefing gehalten?
  • War die Integration sichtbar?
  • Wurde der Pflichttext verwendet?
  • Haben die Zuschauer:innen die Markenbotschaft verstanden?
  • Hat die Kampagne Awareness, Consideration oder Intent gestärkt?

Eine Interaktion mit einem Post kann diese Fragen nicht allein beantworten. Das Problem beginnt dort, wo die Engagement Rate nicht mehr als Interaktionskennzahl behandelt wird, sondern als Proxy für den Gesamterfolg einer Kampagne.

Hohes Engagement und echter Brand Impact sind oft zwei völlig verschiedene Dinge.

Engagement ist nicht gleich Brand Impact

Die Lücke zwischen Engagement und tatsächlichem Impact ist nicht nur Theorie.

  • Kantar hat mehr als 15.000 gebrandete Creator-Assets auf TikTok, Instagram und YouTube Shorts analysiert und festgestellt, dass nur 6 % sowohl starkes Engagement als auch messbaren Brand-Building-Impact geliefert haben (Kantar, 2026).
  • Selbst wenn man die Schwelle weiter fasst, bleibt der Zusammenhang schwach: Nur 27 % des untersuchten Contents kombinierten mittleres bis hohes Engagement mit mittlerem bis hohem Brand Impact (Kantar, 2026).
  • Der Nachweis des Return bleibt eine der größten ungelösten Herausforderungen der Branche: 79 % der Marketer:innen nennen die ROI-Bestimmung als größte Herausforderung im Influencer Marketing (Linqia-Studie, zitiert von eMarketer).

Zusammen zeigen diese Zahlen ein und dasselbe Problem: Creator Marketing hat jahrelang auf die Kennzahl optimiert, die am leichtesten sichtbar ist - nicht auf das Ergebnis, das eine Kampagne eigentlich liefern sollte.

Warum die Engagement Rate zum Standard wurde

Wenn die Engagement Rate so klare Grenzen hat, warum steht sie dann immer noch oben in so vielen Kampagnen-Reports? Weil sie mehrere operative Probleme extrem gut löst.

Geschwindigkeit: Engagement-Daten sind fast sofort verfügbar, wenn der Content live geht. Sie füllen die Reporting-Lücke, bevor eine aussagekräftigere Kampagnenanalyse überhaupt möglich ist. Diese Geschwindigkeit macht sie nützlich - verleitet aber auch dazu, schnelle Verfügbarkeit mit strategischer Relevanz zu verwechseln.

Einfacher Zugang: Jede große Plattform liefert Engagement-Kennzahlen direkt. Es gibt kein Briefing zu prüfen, keine Content-Verifizierung und keinen zusätzlichen Messprozess. Die Zahl ist einfach schon da - das macht sie zur einfachsten Kennzahl für jeden Report.

Falsche Vergleichbarkeit: Weil fast jede Kampagne irgendeine Form von Engagement Rate produziert, wirkt die Kennzahl standardisiert. Vergleichbarkeit bedeutet aber nicht automatisch Genauigkeit.

Engagement Rates lassen sich nicht blind über Plattformen hinweg vergleichen

Eine Engagement Rate von 5 % auf einer Plattform bedeutet nicht automatisch dasselbe wie 5 % auf einer anderen.

Plattformen fördern unterschiedliches Verhalten. Ihre Interfaces, Content-Formate, Zielgruppen und Engagement-Mechaniken unterscheiden sich. Selbst die Berechnung der Engagement Rate kann variieren, je nachdem, ob als Nenner Follower, Impressions, Views oder Reach verwendet werden.

Sechs Plattformvergleichs-Cards - Instagram, TikTok, YouTube, Twitch, Facebook und X - zeigen jeweils die plattformeigenen Engagement-Kennzahlen und veranschaulichen, dass keine zwei Plattformen Engagement auf die gleiche Weise messen.
Sechs Plattformen, sechs unterschiedliche Engagement-Kennzahlen.

Same label. Different context.

Gleiches Label. Anderer Kontext.

Trotzdem werden diese Zahlen in Kampagnen-Reports oft nebeneinander gestellt, als wären sie direkt vergleichbar - das erzeugt eine Illusion von Präzision. Ein Creator kann scheinbar besser performen als ein anderer, einfach weil die Plattform das Engagement anders generiert und berechnet - nicht weil der Content der Marke mehr Wert geliefert hat.

Deshalb kann die Engagement Rate im richtigen Kontext weiterhin nützlich sein, wird aber unzuverlässig, wenn sie als universeller Maßstab für den Kampagnenerfolg behandelt wird.

Worauf sich modernes Kampagnen-Measurement konzentrieren sollte

Die Lösung ist nicht eine weitere Formel für die Engagement Rate. Es geht darum, die Reihenfolge zu ändern, in der Kampagnenperformance bewertet wird.

Bevor du fragst, wie das Publikum reagiert hat, muss deine Marke zuerst wissen, ob die Kampagne tatsächlich das geliefert hat, was vereinbart wurde. Das bedeutet, konkrete, beobachtbare Elemente des Creator-Contents gegen das ursprüngliche Briefing zu prüfen:

  • Wurde der vereinbarte Content veröffentlicht?
  • Ist die geforderte Markenbotschaft aufgetaucht?
  • Waren die visuellen Integrationen wie vereinbart sichtbar?
  • Wurden alle Talking Points abgedeckt?
  • Wurde der Pflichttext verwendet?
  • Sind die Platzierungen im richtigen Kontext erschienen?
  • Wurden alle vertraglich vereinbarten Deliverables erfüllt?

Diese Fragen klingen simpel. Aber Plattform-Analytics können sie nicht von sich aus beantworten. Das erfordert eine echte Analyse des Contents selbst - gesprochenes Audio, Titel, Untertitel, Call-outs und Bot-Nachrichten, Chat-Nachrichten - sowie weiterer Deliverables wie Hashtags und Mentions - und den Abgleich dieser Elemente mit dem, was das Kampagnen-Briefing tatsächlich verlangt hat.

Verifizierung sollte vor dem Performance-Scoring stehen

Stell dir zwei Creator-Posts vor. Beide erzielen eine Engagement Rate von 7 %.

Der erste enthält die geforderte Markenbotschaft, den CTA, den Pflichttext und die vereinbarte Platzierung. Beim zweiten fehlt der Pflichttext, es fehlen die geforderten Talking Points, und die Kernbotschaft der Kampagne wird nicht vermittelt.

Aus Sicht der Plattform-Analytics sehen beide fast identisch aus. Aus Sicht der Kampagnen-Lieferung sind sie komplett unterschiedlich.

Plattform-Analytics zeigen, wie Menschen reagiert haben. Verifizierung zeigt, was die Marke tatsächlich bekommen hat.

Beide Aspekte sind wichtig. Sie messen einfach unterschiedliche Teile der Kampagnenperformance. Engagement hilft dir zu verstehen, wie das Publikum reagiert hat, nachdem der Content live war. Verifizierung stellt sicher, dass die Kampagne von Anfang an korrekt umgesetzt wurde. Dieser Unterschied wird immer wichtiger, je mehr Creator-Programme über mehr Creator, Märkte, Formate und Plattformen skalieren.

Side-by-Side-Vergleich eines Plattform-Analytics-Screenshots und einer Checkliste verifizierter Punkte zur Markenlieferung, jeweils mit Häkchen versehen.
Was die Plattform zeigt vs. was tatsächlich verifiziert wurde.

Von Proxy-Kennzahlen zu echter Kampagnen-Intelligenz

Die nächste Stufe im Creator-Marketing-Measurement geht nicht darum, Engagement aus den Reports zu entfernen. Es geht darum, Engagement wieder an die richtige Stelle zu setzen.

Statt zu fragen: „Hatte dieser Post eine gute Engagement Rate?“, könnt ihr als Kampagnen-Team fragen: „Wurde die vereinbarte Kampagne korrekt geliefert, wie wurde die Marke tatsächlich dargestellt, und wie hat das Publikum reagiert, nachdem diese Lieferung verifiziert wurde?“ Das ergibt ein deutlich vollständigeres Bild der Performance.

Das ist der Wandel, auf den verifizierungsorientiertes Kampagnen-Measurement ausgerichtet ist: weg von leicht verfügbaren Proxy-Kennzahlen, hin zu Belegen dafür, was tatsächlich passiert ist.

Messungs Layer - automatisierte Lieferverifizierung, Brief-vs-Execution-Matching, plattformübergreifende Abdeckung auf Instagram, TikTok, YouTube, Twitch und Facebook, und Zeitstempel und Nachverfolgbarkeit - die zusammen verlässliches Creator-Kampagnen-Measurement definieren.
Die vier Grundpfeiler verlässlichen Creator-Kampagnen-Measurements.

Das Fazit

Die Engagement Rate ist nicht falsch. Sie beantwortet nur eine viel kleinere Frage, als viele Reporting-Decks vorgeben. Sie kann zeigen, ob Menschen mit einem Stück Content interagiert haben. Sie kann einer Marke aber nicht allein sagen, ob die Kampagne korrekt umgesetzt wurde, ob die vereinbarte Botschaft geliefert wurde oder ob starke Plattform-Aktivität zu echtem Impact geführt hat.

Die eigene Forschung der Branche bestätigt diesen Unterschied zunehmend: Starkes Engagement und echter Brand Impact überlappen sich nur bei einem kleinen Teil des gebrandeten Creator-Contents. Für Marken, Agenturen und Kampagnen-Teams ist die Konsequenz klar.

Hört auf, Engagement als Beweis für Erfolg zu behandeln. Prüft zuerst, was wirklich geliefert wurde. Messt die Reaktion danach.

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